WI(E)SO - ÜBER UNS

„WI(E)SO hat sich zum Ziel gesetzt, wirtschaftliche Zusammenhänge für alle Interessierten einfach und verständlich zu erklären.“ So steht es auf unserer Startseite. Wirtschaftspolitik ist aber keineswegs ein ideologiefreier Raum. Als Gerhard Schröder behauptete, es gebe keine linke und rechte Wirtschaftspolitik mehr, sondern nur noch moderne und unmoderne, lag er aus unserer Sicht fundamental falsch. Auch wir sind der Auffassung, dass in einem Wirtschaftssystem gewisse grundsätzliche Zusammenhänge existieren, die sich weder von links noch rechts außer Kraft setzen lassen. Schröders Aussage sollte aber der früheren sozialdemokratischen Politik, die auf eine Stärkung der Arbeitnehmerrechte und einen Ausgleich der Interessen von Profit- und Lohneinkommensbeziehern abzielte, eine Absage erteilen. Was gut für die Profitentwicklung der Unternehmen ist, sei auch gut für alle. Diesem neoliberalen Grundsatz widersprechen wir und halten ihm entgegen: Es gibt eine Wirtschaftspolitik, die den Wohlstand aller erhöht, und eine Wirtschaftspolitik, die nur Wenigen dient. Letztere haben wir in den letzten 40 Jahren zur Genüge kennengelernt. Das Ergebnis sind steigende Arbeitslosigkeit, erhöhte Ungleichheit sowie ökonomische und politische Krisen und Instabilität. Die neoliberale Wirtschaftspolitik ist flächendeckend gescheitert. Daran gibt es keinen Zweifel.
Gesamtwirtschaftliches Denken
Ein ganz wesentlicher Grund dafür, dass der Neoliberalismus sich so stark in unseren Köpfen festsetzen konnte, ist die Tatsache, dass wir eigentlich alle Mikroökonomen sind. Was soll das heißen? Wir alle lernen von klein auf, einzelwirtschaftlich zu denken. Wollen wir eine größere Anschaffung tätigen, müssen wir zunächst Geld sparen. Niemand würde in dieser Situation auf die Idee kommen, durch Mehrausgaben seine finanzielle Situation zu bessern. Da die Ausgaben des einen aber die Einnahmen eines anderen sind, würde sich für jeden die finanzielle Situation verbessern, wenn alle ihre Ausgaben erhöhen würden. Die Wissenschaft, die sich mit dem Verhalten solcher gesamtwirtschaftlichen Phänomene beschäftigt, nennt sich Makroökonomik.

Das einzelwirtschaftliche Denken, das uns allen innewohnt, ist für unser alltägliches Leben nicht grundsätzlich falsch. Dass Unternehmen, die im Wettbewerb zueinanderstehen, ebenfalls einzelwirtschaftlich denken und ihre Konkurrenz im Auge behalten müssen, bestreiten wir ebenfalls nicht. Dennoch gibt es aufgrund gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge gewisse „Zwänge“, denen man sich nicht entziehen kann, selbst wenn man aus freiem Willen handelt.

Entscheidet sich zum Beispiel in einem gut gefüllten Raum eine einzelne Person dazu, ihre Gesprächslautstärke zu erhöhen, um von ihrem Gesprächspartner besser verstanden zu werden, so wird ihr Vorhaben nur dann von Erfolg gekrönt sein, solange nicht alle anderen im Raum es ihr gleichtun. Wenn jedoch alle zugleich ihre Gesprächslautstärke erhöhen, so wird voraussichtlich niemand von seinem Gesprächspartner besser verstanden werden. Vermutlich werden alle Personen im Raum nach einer Weile heiser werden und die lauten Gespräche als enorm unangenehm und ermüdend empfinden. Das Ergebnis dieses unkoordinierten Verhaltens ist also eine Situation, in der niemand besser verstanden wird und alle im Vergleich zur Ausgangslage schlechter gestellt, ja sogar gesundheitlich gefährdet sind.

Sobald aber auch nur eine Person anfängt, lauter zu sprechen, um sich so einen Vorteil zu verschaffen, bleibt den restlichen Personen im Raum nichts anderes übrig, als es dieser einen Person gleich zu tun, um zumindest nicht schlechter verstanden zu werden, wenn der Gesamtgeräuschpegel im Raum steigt. Die einzelwirtschaftlich sinnvolle Strategie, lauter zu sprechen, verschlechtert am Ende die Situation für alle, auch für die Person, die diese Strategie als erstes verfolgt. Jede Person im Raum wird so „gezwungen“, lauter zu sprechen, wenn sie nicht an Verständlichkeit einbüßen will, obwohl sie sich selbstverständlich aus freien Zügen dazu entscheidet. Es ist unter den neuen gegebenen Umständen eben optimal sich derart zu verhalten. Es gibt offensichtlich einen gesamtwirtschaftlichen Rahmen, dem man trotz einzelwirtschaftlich optimalen Verhaltens nicht entfliehen kann. Insofern ist es durchaus geboten von einem Zwang zu sprechen, obwohl offensichtlich niemandem Gewalt angedroht wird, wenn man sich diesem widersetzen würde. Nur wäre eine Person, die sich unter den neuen Rahmenbedingungen nicht dazu entschließt, lauter zu sprechen, eben noch schlechter zu verstehen als alle anderen.

Wenn man dies erkannt hat, müsste man sich darauf einigen, dass niemand die Möglichkeit einer erhöhten Gesprächslautstärke nutzt, um die Allgemeinheit vor dem schlechten Ergebnis zu bewahren. Ohne Absprache wird sich ein solches Verhalten aller Wahrscheinlichkeit nach nicht einstellen können, da jede einzelne Person einen Anreiz hat, sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Es wird daher eine regulierende Instanz benötigt, die ein solches Verhalten von vornherein untersagt. Institutionen, die eine solche Regulierung durchsetzen, spielen in der Makroökonomik daher eine wesentliche Rolle. Die sogenannten „Trugschlüsse der Verallgemeinerung“, also Sachverhalte, die für einen einzelnen Akteur Gültigkeit besitzen, nicht aber für die Gesamtheit aller Akteure, bilden die Basis für eine auf makroökonomischer Logik fundierten Wirtschaftspolitik. In diesem Sinne folgen wir der Tradition des britischen Ökonomen John Maynard Keynes (1883-1946), dem häufig die Begründung der Makroökonomik zugesprochen wird.

Bildungsarbeit
 
Weil nun aber das einzelwirtschaftliche Denken so stark in uns verankert ist, fällt es uns so schwer, gesamtwirtschaftlich zu denken. Dies müssen wir aber dringend lernen, um nicht weiterhin auf die vermeintlich logischen Schlussfolgerungen des neoliberalen einzelwirtschaftlichen Denkens hereinzufallen. Daher befinden sich auf unseren Themenseiten einfach aufbereitete Materialien, die dabei helfen sollen, die Widersprüche im neoliberalen Denken zu erkennen und ihnen argumentativ etwas entgegenzusetzen. Hierzu wird es in Kürze auch Seminarangebote geben, die man online abrufen kann, sowie Videos, Infografiken, Flyer und vieles mehr, das politisch Aktive in ganz Deutschland für ihre Arbeit nutzen können. In Hamburg haben wir bereits eine regionale Gruppe, die sich zu Gesprächskreisen trifft und regelmäßige Veranstaltungen organisiert. In anderen Städten bilden sich weitere Gruppen.

Wer uns in der Sache unterstützen möchte und Vortragende für eigene Veranstaltungen sucht, dem helfen wir sehr gerne. Anfragen für Seminare oder Vorträge einfach an info@wiesozial.de schicken oder das Kontaktformular in der Fußzeile dieser Seite nutzen. 
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