Was ist Geld und wie entsteht es?

05.03.2018

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Die Frage, was Geld ist, wird selten gestellt. Viel mehr fragen sich die Menschen wie man schnell und einfach Geld verdienen kann. Das Geld selbst sei einfach etwas, mit dem man sich Waren und Dienstleistungen kaufen könne. Das ist schon mal gar nicht falsch, aber längst nicht alles.

Die andere Frage − wie es entsteht ­– kann kaum jemand annähernd richtig beantworten. Das Geld entstehe, wenn man zusätzliche Werte schaffe, habe ich oft gehört, wenn ich jemanden fragte. Das müsse man sich erarbeiten.  Klar, wenn mir jemand Geld geben möchte für meine Arbeit, dann habe ich Geld verdient. Aber ist es dadurch entstanden? Die Zentralbank würde es drucken und in Umlauf geben, sagen manche dann, wenn ich nachhake. Also die Zentralbank druckt das Geld und gibt es dann meinem Arbeitgeber, damit dieser mich für meine Arbeit bezahlen kann? Nein, der Arbeitgeber hätte es durch seine Umsätze oder ähnliches verdient. Man kann dies ins Unendliche weiterführen und wird meistens keine zufriedenstellende Antwort finden. Dabei ist das richtige Verständnis von Geld elementar um überhaupt gesamtwirtschaftliche Aussagen treffen zu können. Jeder Politiker sollte Geld verstehen. Und noch viel wichtiger: Jeder Bürger sollte die Grundzüge des Geldes verstanden haben, um sich nicht von den Schäubles und ähnlichen Gestalten unserer Zeit in die Irre leiten zu lassen.

 

Die Standarddefinition

 

Die meisten Ökonomen definieren Geld nach drei Funktionen, die es erfüllen muss. Die erste ist die Tauschmittelfunktion, also die Tatsache, dass ich mein Geld gegen Waren und Dienstleistungen eintauschen kann. Die zweite Funktion ist die Recheneinheitsfunktion. Mit ihr kann ich den Wert aller Leistungen in Preisen ausdrücken. Es ist also die Einheit, in der ich Preise, Vermögen, sowie Schulden ausdrücken kann, anstatt wie es in einer Tauschwirtschaft der Fall ist, mit relativen Preisen zu arbeiten (eine Flasche Wein entspricht 30 Brötchen, einem Kuchen, usw.). Die dritte Funktion ist die Wertaufbewahrungsfunktion. Sie stellt sicher, dass ich auch in Zukunft etwas für mein Geld bekommen kann. Für die Tauschmittel- und Wertaufbewahrungsfunktion ist die allgemeine Akzeptanz des Geldes in einer Gesellschaft erforderlich. Der wesentliche Unterschied zu einer Tauschwirtschaft ist für viele Ökonomen, dass das Geld die Transaktionen effizienter gestaltet, da z.B. zwei Personen, die miteinander handeln möchten, nicht mehr auf die doppelte Übereinstimmung der Bedürfnisse angewiesen sind (ich möchte ein Kilo Äpfel und biete dafür ein Kilo Birnen, also brauche ich jemanden, der ein Kilo Äpfel bietet und ein Kilo Birnen möchte).

 

Die wichtigeren Fakten

 

Soweit zur Standarddefinition, die man in jedem Makroökonomie- oder Geldtheorielehrbuch finden wird. Ein wichtiger Fakt, der meiner Meinung nach zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass das Geld einen Schuldschein darstellt. In einer Tauschwirtschaft werden Güter gegen Güter getauscht. In einer solchen Wirtschaft ist niemand jemandem etwas schuldig, da alle Tauschaktionen direkt erledigt werden. In dem Moment, wo Geld ins Spiel kommt, ändert sich dies. Wenn der Nachbar zum Beispiel meine Hilfe bei der Gartenarbeit benötigt, ich aber direkt weder Hilfe noch Waren von ihm brauche, dann könnte dieser mir einen Zettel geben, auf dem steht, dass er mir noch Leistungen von zum Beispiel zwei Stunden Arbeit schuldet. Der Nachbar hätte dann also Schulden (Verbindlichkeiten) in Höhe von zwei Arbeitsstunden und ich hätte Guthaben (Forderungen) in Höhe von zwei Arbeitsstunden. Jetzt kommen wir unserem Verständnis von Geld schon etwas näher. Das Geld (in diesem Beispiel ein Schuldschein vom Nachbarn) stellt nichts anderes als eine Forderung dar (hier gegenüber dem Nachbarn). Eine Forderung kann aber nie ohne eine Verbindlichkeit existieren. So kommen wir zu einem wichtigen Satz: allem Geldvermögen auf der Welt müssen in gleicher Höhe Geldschulden gegenüberstehen. Ohne Schulden gibt es kein Geld!

Geld ist immer das, was existiert, wenn der Tausch zwischen z.B. zwei Personen nicht vollendet ist. Es ist also ein Zwischentauschgut. Sein Wert besteht darin, dass man sich mit ihm andere Waren und Dienstleistungen kaufen kann. In dem Moment, in dem man das Geld ausgibt, und man selber keines mehr hat, ist der Tausch für einen selbst vollendet. Man hat also Leistungen eines bestimmten Wertes gegeben (z.B. gearbeitet), das Geld verdient und sich damit Leistungen des gleichen Wertes gekauft --> Tausch vollendet, Geld weg!

In der heutigen Mainstreamlehre der Volkswirtschaft werden oft Modelle betrachtet, die reine Tauschwirtschaften modellieren, in denen es also kein Geld gibt. Das bedeutet, dass es in diesen Modellwirtschaften keine Schuldverhältnisse gibt. Diesen Gedanken haben bedeutende Ökonomen wie John Maynard Keynes bereits vor 80 Jahren stark kritisiert und abgelehnt.

Nun ist es aber so, dass der Schuldschein aus unserem Beispiel nicht als Geld bezeichnet werden kann, da niemand anderes außer der Nachbar diesen Zettel annehmen würde. Ich könnte damit nicht zum Bäcker gehen und meine Brötchen kaufen. Aus diesem Grund ist die oben genannte ‚allgemeine Akzeptanz‘ des Geldes in einer Gesellschaft von hoher Bedeutung. In den meisten Fällen schreibt der Staat vor, was als Geld benutzt werden kann, z.B. dadurch, dass wir Steuern in einer bestimmten Währung zahlen müssen. Und so gehen wir zur nächsten Frage über.

 

Die Geldschöpfung

 

Wie oben erwähnt, kann man nicht einfach Geld schaffen, indem man Zettel ausfüllt auf denen man einträgt, wie viel man jemand anderem schuldet. Niemand würde solch ein Geld annehmen. Daher bestimmen die Regierungen, was als Geld anzunehmen ist. Doch wie entsteht es und wie kommt es in Umlauf?

Als erstes gilt: Von dem Geld, das wir täglich benutzen schafft die Zentralbank einzig und alleine das Bargeld! Damit wir am Geldautomaten Bargeld abheben können, müssen die Geschäftsbanken einen Kredit bei der Zentralbank aufnehmen. Sie leihen sich dabei sogenannte Reserven, so heißt das Geld, welches eine Geschäftsbank auf ihrem Konto bei der Zentralbank aufweist. Bargeld stellt in diesem Sinne sichtbar gewordene Reserven dar. Wir können also schon mal festhalten: das Bargeld müssen sich die Geschäftsbanken in den meisten Fällen bei der Zentralbank leihen. Im anderen Fall können Reserven bzw. Zentralbankgeld dadurch entstehen, dass die Zentralbank etwas aufkauft, z.B. eine Immobilie. Sie würde dann der Geschäftsbank, bei der der Verkäufer sein Konto hat, den Betrag in Form von Reserven aufs Konto gutschreiben.

Als zweites gilt: die Zahlen, die wir auf unserem Konto stehen haben, werden als Giralgeld bezeichnet. Es macht den mit Abstand größten Anteil der Geldmenge aus und wird ausschließlich von den Geschäftsbanken geschaffen. Sie schaffen es ebenfalls größtenteils durch Kreditvergabe an private Haushalte, Unternehmen, dem Staat oder an das Ausland. Kurz: durch Kreditvergabe an Nichtbanken. Die andere Form der Geldschöpfung ist wie im Falle der Zentralbank durch Aufkauf von Waren und Dienstleistungen, wie z.B. einer Immobilie. Hierdurch bereichert sich die Bank aber nicht, da dem Immobilienbesitz eine Verschuldung in Form des geschaffenen Geldes in exakt gleicher Höhe gegenübersteht. Mehr zu den Details ein andermal.  

Wir gehen über zum nächsten wichtigen Satz: Banken sind Geldproduzenten!

 

Zusammenfassung

 

Wir wissen nun, dass Geld einen Schuldschein darstellt, der ein Schuldverhältnis auf der einen Seite und ein Vermögensverhältnis auf der anderen Seite repräsentiert. In unserem heutigen Geldsystem kann Geld ausschließlich durch Banken (inkl. der Zentralbank) geschaffen werden. Den größten Anteil der Geldmenge macht das Giralgeld aus, welches die Geschäftsbanken schöpfen. In den meisten Fällen dadurch, dass jemand sich ein Kredit bei ihr nimmt. Das Bedeutet, das Geldvermögen wäre gar nicht erst entstanden, wenn sich vorher niemand verschuldet hätte! Denn es ist eben nicht so, dass das Geld einfach da ist und dem Schuldner verliehen wird. Banken sind keine Finanzintermediäre. Dieses Verständnis ist entscheidend dafür, um bestimmte wirtschaftspolitische Aussagen auf ihre Sinnhaftigkeit zu prüfen.

Ein Beispiel: Oft wird von der schwarzen Null gesprochen, und dass es sehr wichtig sei, dass der Staat seine Schulden abbaue. Sparen wird dabei oft als eine Tugend angesehen. Um nur ein Problem von vielen zu nennen: Wenn der Staat seine Schulden abbaut, dann wird in exakt gleicher Höhe Geldvermögen vernichtet oder jemand anderes muss sich entsprechend verschulden. Bevor man eine solche Politik angeht, sollte man sich also unbedingt die Frage stellen, wessen Vermögen da eigentlich vernichtet wird bzw. wer die neuen Schulden aufnehmen soll. Und noch etwas: Das Argument, welches häufig gebracht wird, dass man den künftigen Generationen keine Schulden hinterlassen darf, ist gleichbedeutend mit der Aussage, dass man ihnen auch kein Geldvermögen überlassen darf. Die politischen Debatten sind manchmal in  volkswirtschaftlicher Inkompetenz kaum noch zu übertreffen.

 

Diego Diez studiert derzeit Volkswirtschaftlehre an der Universität Hamburg.

 

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