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Ich und meine Schulden…

06.03.2018

Dieser Artikel sei als Einstieg in die Thematik gedacht. Es werden Schulden aus verschiedenen Sichtweisen betrachtet. Aus Sicht einer Privatperson, eines Unternehmens und eines Staates.

 

Als Privatmensch

 

Mein Großvater pflegt gerne zu sagen „1000 Mark sparen, oder 1000 Mark leihen, das ist ein Unterschied von 2000 Mark.“ Für ihn wäre es nie in Frage gekommen, sich zu verschulden.

Meine Eltern waren da schon freizügiger und sahen zumindest den Sinn einer langfristigen Investition. Aber auch sie würden lieber von Wasser und Brot leben, anstatt sich unnötig zu verschulden.

Es mögen nicht alle so sparsam sein wie meine Großeltern, jedoch steckt eine Grundüberzeugung tief in uns drin: Schulden machen ist schlecht, sparen ist gut!

Das ist auch keine ganz unvernünftige Einstellung, da unser Leben endlich ist und wir im Laufe unseres Lebens unsere Schulden zurückzahlen müssen. Eine Bank wird also immer darauf achten, dass ich meine Kredite innerhalb der Lebenserwartung zurückzahlen kann. Nach meinem Ableben kann ich schließlich keine Schulden mehr tilgen. Außerdem betreiben wir in unserem Erwerbsleben Vorsorge fürs Alter.

 

Als Unternehmer

 

Besitze ich ein Unternehmen, muss ich schon ein wenig anders über meine Firmenfinanzen nachdenken, als ich das bei meinen privaten Konten mache. Wenn ich ehrlich bin möchte ich, dass mein Unternehmen auch noch weitergeführt wird, wenn ich aus Altersgründen ausscheide. Deswegen mache ich mir im besten Falle frühzeitig Gedanken um die Unternehmensnachfolge. Doch um überhaupt langfristig am Markt zu bestehen, muss ich regelmäßig investieren. Die Konkurrenz schläft nicht! Ich muss mit den neuen Technologien mithalten und im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern an Produktivität zulegen. Meine Firma soll nicht wie Nokia den neuesten Trend verschlafen.

Wenn ein Unternehmen einen Kredit gewährt bekommt, dann immer in der Erwartung, dass zukünftige Gewinne diesen zurückzahlen. Deswegen ist es kein schlechtes Zeichen, wenn in einer Volkswirtschaft der Unternehmenssektor verschuldet ist. Das bedeutet, dass die Zukunftsaussichten gut sind und sich die Produktivität der Unternehmen positiv entwickelt.

 

Als Finanzminister

 

Wenn ich nun nicht im Management eines Unternehmens tätig bin, sondern in der Politik, muss ich wieder einen andern Umgang mit den Finanzen pflegen. Auch wenn ich als Politiker wahrscheinlich nicht besonders lange an der Macht bleibe, kommt mein Haushalt nie an ein Ende. Man kann davon ausgehen, dass der Staat ewig lebt. Es gibt also nicht den Zahltag, an dem die Schulden des Staates beglichen werden  müssen.

Nun ist es aber wichtig, dass ich als Finanzminister die Rolle von Schulden in einer Volkswirtschaft verstanden habe. Dazu kann es hilfreich sein wenn ich mir vorstelle, wie ich eine Währung einführen würde, wenn noch kein Geld bestünde.

Zunächst würde ich eine Zentralbank gründen und bei ihr ein Konto auf den Namen des Staates eröffnen. Da es noch kein Geld gibt, wäre dieses Konto erst einmal leer. Nun möchte ich aber Geld an die Bürger*innen meines Landes verteilen, damit diese Geschäfte tätigen können. Also werde ich mein Konto ins Minus buchen und mir den Gegenwert als Geld auszahlen lassen, mich also bei der Zentralbank verschulden. Dieses Geld liegt nun auf den Konten der Bürger*innen und diese können untereinander Handel betreiben. Wir haben nun zum ersten Mal Staatsschulden und Privatvermögen geschaffen. Möchte ich die Schulden zurückzahlen, müsste ich nun bei meinen Leuten das Geld wieder einsammeln. Das würde aber keinen Sinn machen, denn meine Währung wäre ja dann futsch.

Wichtig ist, dass ich mir als Finanzminister verdeutliche, dass den Staatsschulden Privatvermögen gegenüber stehen.

 

 

 

Also kräftig Schulden machen – ohne Limit?

 

Dann könnte es für mich als Finanzminister zu Problemen kommen, denn regelmäßig muss ich meinen Geldgeber*innen Zinsen zahlen. Auch wenn dieser Zinssatz im Augenblick bei null liegt, könnte es ja in Zukunft, bei höheren Zinsen dazu kommen, dass meine Steuereinnahmen nicht ausreichen, um die Zinsen zu tilgen.

Grundsätzlich besteht für mich immer die Möglichkeit, die Bedingungen meines Haushaltes neu mit den Staatsbürger*innen zu verhandeln. Ich weiß ja, dass sie hohes Vermögen halten – sonst könnte ich ja keine hohen Schulden haben. Um wichtige Projekte, wie Bildung und Infrastruktur zu finanzieren, könnte ich die Vermögen in meiner Volkswirtschaft anders verteilen und zum Beispiel höhere Steuern erheben, anstatt neue Schulden aufzunehmen.

Ob meine Schulden aber zum Problem werden können, kann ich in meinem Ministerium ganz einfach überprüfen, indem ich die Schulden mit der Wirtschaftsleistung des Landes ins Verhältnis setze. Ich teile also meine Schulden durch das Bruttoinlandsprodukt. Nun erhalte ich die sogenannte Schuldenquote. Diese kann auch dann unverändert bleiben, wenn ich neue Schulden aufnehme – wenn nämlich meine Wirtschaft um denselben Wert wächst. Mit einer wachsenden Wirtschaft steigen auch meine Steuereinnahmen und es besteht keine Gefahr, dass mir die Schulden „über den Kopf wachsen“.

 

Wie ist eigentlich der aktuelle Stand von Geldschulden und -vermögen in Deutschland?

 

Die folgende Grafik zeigt die sogenannten Finanzierungssalden Deutschlands. Alles was oberhalb der Null-Linie liegt ist Ersparnis, im Sinne von Geldvermögen, alles darunter Verschuldung. An dieser Grafik sieht man nun auch optisch, dass Schulden und Vermögen zusammengerechnet immer null ergeben. (Denkt an die Gründung unserer Zentralbank oben. – Es gibt nur Ersparnisse, wenn es Schulden gibt.)

 

 

 

Die dunkelblaue Linie zeigt die privaten Haushalte. Wie Eingangs beschrieben, ergibt es für Privatpersonen durchaus Sinn, Vorsorge zu treffen und zu sparen.

Die orangene Linie zeigt den Staatshaushalt. Der deutsche Staat macht inzwischen Überschüsse und baut Schulden ab. Wenn wir verstanden haben, dass den Schulden des Staates privates Vermögen gegenübersteht, müssten die privaten Haushalte und die Unternehmen doch eigentlich dafür aufkommen? In einer geschlossenen Volkswirtschaft wäre das auch so. Doch unsere Produkte und Dienstleistungen werden weltweit angeboten. An der hellblauen Linie sieht man, dass das Ausland Schulden in Höhe unserer Ersparnisse aufnimmt. Dies führt zu gravierenden Problemen in den „Schuldnerländern“. (Dazu aber mehr Informationen an anderer Stelle!)

Die grüne Linie zeigt den Unternehmenssektor. Dass die Unternehmen gerade sparen, ist kein gutes Zeichen. Es besteht die Gefahr, dass wir neue Trends verschlafen und nicht auf neue Technologien setzen. Die folgende Grafik bestätigt die Befürchtung.

 

 

Auf die Problematik unseres Sparens werden wir an anderer Stelle detaillierter eingehen.

 

Johannes Heinen ist gelernter Bankkaufmann und studiert zur Zeit Volkswirtschaftslehre und Philosophie an der Universität Hamburg. Er ist Mitbegründer von „WI(E)SO-Wie sozial kann Wirtschaft sein?“, einer wirtschaftspolitischen Initiative der Hamburger Plattform.

 

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